Welche unterrichtsbezogenen Ziele verfolgt der Ganztag?

Die Ganztageskonzeption bietet die Möglichkeit, die positiven Effekte der Jahrgangsmischung in den Klassenstufen 1/2 und 3/4 weiter auszubauen. Individuelle und kooperative Lernformen, die sich auf das Lernen jedes einzelnen Kindes beziehen,finden statt. Am Nachmittag kommen die Ganztageskinder dann zu einem Lernen, je nach Gruppengröße auch in Familienklassen der Klassenstufen 1-4 zusammen. Hier sehen wir eine gute Weiterentwicklung unseres Konzeptes des Lernens voneinander und miteinander. Das selbstgesteuerte Lernen innerhalb einer vorbereiteten und didaktisierten Lernumgebung findet im Ganztag einen ausreichenden zeitlichen Rahmen, die individuelle Förderung kann sich auf den Nachmittag weiter erstrecken. Selbstgewählte, im Rahmen der demokratischen Erziehung gesetzte Unterrichtsinhalte ergänzen das Angebot und stärken die Kinder hinsichtlich ihrer Entwicklung zum selbstbestimmten Mitglied der Gesellschaft. Die Kinder erleben sich in Situationen, wo sie Hilfe suchen, aber auch selbst Hilfe geben können. Sie erfahren so ihre eigene Selbstkompetenz und Wertschätzung. Diese Elemente sind bereits heute in unserem Schulkonzept angelegt und finden im Ganztag eine verstärkte zeitliche und organisatorische Verortung.

Wie wird die Vereinbarkeit des Ganztags- und des Halbtagsbetriebs in Abhängigkeit der Rhythmisierung gewährleistet?

Der Vormittag wird für alle Kinder eine stärkere Rhythmisierung erfahren. Die Abwechslung von Lernen und Bewegung wird durch die Einführung der drei Bänder (Vesper- und Bewegungspause, Singpause, Hofpause) erreicht. Die Unterrichtsblöcke sind 90 Minuten lang, dazwischen gibt es Bewegungs- und Essenspausen. Eine längere Bewegungspause ist als Hofpause angedacht. Ziel dieser Planung ist es, sowohl den Ganztagskindern, wie auch den Halbstageskindern, eine bessere Rhythmisierung des Vormittags zu bieten und doch beide Gruppen über die meiste Zeit gemeinsam zu unterrichten. Die zusätzlichen AG Angebote am Nachmittag, die über die Angebote des Ganztages hinausgehen, können von Halbtags- wie auch Ganztagskindern besucht werden. So verbringen die Kinder in unterschiedlichen Gruppierungen über den Tag hinweg Zeit miteinander und fühlen sich einer Gemeinschaft zugehörig als Mitglieder der Schulgemeinschaft.

Wie gestaltet und organisiert sich die Mittagspause?

Die Mittagspause beinhaltet das gemeinsame Essen und die freie Spiel- und Erholungspause. Das Essen im Speisesaal dient dem sozialen Miteinander und wird in festen Tischgruppen eingenommen. Die Kinder helfen beim Eindecken und Abräumen der Tische. Regeln der Tischkultur sind fester Bestandteil des Essens und werden mit den Kindern erarbeitet. In der Spiel- und Erholungspause haben die Kinder die Wahl zwischen Spielen, Toben, Ruhen oder kreativen Tun  in den dafür vorgesehenen Räumen. Die Tobe- und Ruhe-Räume sind räumlich weit genug auseinander, so dass die Aktivitäten sich nicht gegenseitig stören. Im alten Schulgebäude sind der Ruhe-, Lese- und Bastelraum wiederum räumlich sehr nahe beieinander, so dass ein Wechsel der Aktion für die Kinder jederzeit möglich ist. Die Aufsicht in dieser Zeit teilen sich Betreuungspersonal untereinander. Je nach Wetterlage kann im Schulhof oder in der Gymnastikhalle getobt und gespielt werden. Die Außenanlagen werden aus diesem Grund für die ganzjährige Nutzung aufgerüstet, vor allem der Bolzplatz muss ganzjährig bespielbar sein. (Hartplatz). Die entsprechenden Anträge sind  gestellt und beim Schulträger im Haushalt eingebracht

Wie sind die Eltern in die Gestaltung des Ganztages eingebunden?

Die Eltern beteiligen sich entsprechend ihrer Möglichkeiten einmalig, mehrmalig oder regelmäßig: Sie bieten z.B. eine regelmäßige AG an, betreuen Schülercafe und Bücherei, betreuen zeitlich begrenzte saisonale Angebote (Adventsbasteln, etc.), engagieren sich bei außerunterrichtlichen Aktivitäten, Sporttagen, Lesewettbewerb und Projekttagen. Die SchülerInnen werden über den Klassenrat und die Schülerversammlung in die Gestaltung der Schulgemeinschaft einbezogen.

Welche Raumnutzungsplanung gibt es für den Ganztagsbetrieb?

Die Räume sind eingeteilt in Lernräume, Freizeiträume, Bibliothek, Ruheraum, Mensa, Schülercafe, Toberaum und werden ergänzt durch die  Schulhofangebote im Freien mit Spiel- und Balanciermöglichkeiten und dem  Fußballplatz, der ganzjährig nutzbar werden muss. Die unterschiedliche Nutzungsart der Räume ist dabei aufeinander abgestimmt. Räumlich nah beieinander liegende Räume werden dabei ähnlich genutzt: Ruheraum und Leseraum stören sich nicht gegenseitig, Sporthalle und Toberaum ebenso wenig. Dadurch entstehen Ruhezonen innerhalb der Schule, die bei Bedarf aufgesucht werden können. Im Dachgeschoss des Schulgebäudes müssen Lehrerarbeitsplätze eingerichtet werden, die zum ruhigen Vorbereiten, Erholen und für Teambesprechungen zur Verfügung stehen, sowie einen geschützten Raum für Gespräche mit Eltern und/oder Schulpsychologen bieten.

Lernkonzept im Ganztag

Um den individuellen Lernwegen der Kinder gerecht zu werden, arbeitet die Grundschule Wolfartsweier bereits seit vielen Jahren erfolgreich in der Halbtagesschule mit selbsterstellten „Lerntreppen“ und Arbeitsplänen. Diese werden in den Stufenteams erarbeitet und bilden die inhaltliche Grundlage des Unterrichts. Die Pläne sind eingeführt und die Art der Bearbeitung mit allen Kindern eingeübt. Dadurch können sich die Kinder selbstständig und in ihrem eigenen Tempo mit diesen Plänen beschäftigen. Alle LehrerInnen und ErzieherInnen kennen die Struktur der Pläne und können den Kindern als Lernbegleiter zur Seite stehen. Die Pläne stellen also eine vorbereitete Lernumgebung dar, innerhalb derer sich die Kinder bewegen können. Dies funktioniert bereits heute in Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen der Hausaufgabenbetreuung. Thematische Einführungen werden mit allen Kindern in der Klasse erarbeitet, die Weiterarbeit, Vertiefung und das Üben können dann individuell und zeitlich unabhängig voneinander erfolgen.

Die Schüler arbeiten jahrgangsübergreifend in Klassen 1/2 und 3/4. Die Klassen werden teilweise in Teamstunden von zwei LehrerInnen unterrichtet, so dass auch Kleingruppen zur individuellen Förderung gebildet werden können. In der Eingangsstufe arbeiten die Kinder individuell und nach ihrem eigenen Tempo. Die Verweildauer kann von einem Jahr bis drei Jahre variieren. Die Einschulung ist im September sowie auch im Februar möglich. Die Bearbeitung der Lerntreppen kann dabei individuell angepasst werden.

In Klassen 3/4 arbeiten die Kinder ebenso mit Lerntreppen, die individuell dem Vermögen der Kinder angepasst werden. Lernzielkontrollen und Tests werden aber in der Regel gemeinsam geschrieben.

Durch die Auswahl der Arbeiten und die Schwerpunktsetzung der Zusatzangebote erfahren die Schüler eine Mitgestaltung ihres individuellen Lernweges. Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf werden bei Verfügbarkeit von Poolstunden in Förderstunden betreut. Sie erhalten dort Fördertreppen, die zur Aufarbeitung der Entwicklungsfelder dienen und auch häusliche bzw. nachmittägliche Bearbeitung mit einschließen. Besonders begabte Kinder im Fach Mathematik werden einmal pro Woche aus dem Mathematikunterricht genommen und nehmen an einer Knobelstunde teil. Zusätzlich können sie sich für ein Hector-Angebot im Fach Mathematik an der Grundschule Wolfartsweier anmelden. Naturwissenschaftlich begabte und interessierte Kinder haben die Möglichkeit bei den Naturforschern mitzumachen, das Biotop und die Naturwiese zu beobachten, zu pflegen und die Tier- und Pflanzenwelt kennenzulernen. Inklusiv beschulte Kinder werden in Zusammenarbeit mit den KollegInnen der SBBZ unterrichtet und haben bei Bedarf ein individuell angepasstes  Lernangebot. Im Schulprofil verankert ist der Gedanke, dass die Schüler sich gegenseitig helfen und beim Lernen unterstützen. Schülerpaten helfen ihren Mitschülern bei der Eingewöhnung in den Schulalltag, der Bearbeitung der Lerntreppen und Arbeitsplänen. Lesepaten unterstützen ihre Mitschüler beim  Leselernprozess und in den Fördertreppe.

Die Übungszeiten werden in der individuellen Lernzeit integriert. Basis hierzu bilden die Lerntreppen und Arbeitspläne. Für die Ganztagskinder sollten die Zeiten nach der Schule zu Hause der Familie gehören, die Hausaufgaben sind in der Regel bereits in der Schule angefertigt. Ausgenommen davon sind Vorbereitungen für Klassenarbeiten oder besonderer Schülerleistungen (Vortrag, Leserolle, Wettbewerbe etc.)

Die Einteilung in Lernblöcke und Spiel- und Bewegungsbänder am Vormittag erlaubt eine Rhythmisierung für alle Schüler. Bewegungskisten und -angebote fördern die bewegten Pausen und bieten Möglichkeiten für kleine, individuelle Pausen während des Unterrichts. Der Sportunterricht der Klassen ist in den Vormittag integriert und für die Eingangsklassen als Einzelstunden ausgewiesen. Die „Singpause“ – ein besonderes Projekt der musischen Förderung, das bereits seit 2014 an unserer Schule stattfindet – unterbricht das kognitive Lernen und ist ein musikalisches Angebot zur Förderung des gemeinsamen Singens, der Rhythmusschulung und der Konzentration. Freies Spiel und Bewegung sind in der Mittagspause zeitlich ausreichend möglich. Die AG-Angebote erweitern das schulische Bewegungsangebot um Trendsportarten ( z. B. Inlinern) oder motorische Grundschulung (z.B. Ballschule und KiSS). Während des Unterrichts ist den Kinder immer die Möglichkeit gegeben, Alternativen zum Arbeiten im Sitzen auszuprobieren (Hokkies, Bewegungsbausteine, Teppiche für die Arbeit auf dem Boden etc.) , die den unterschiedlichem Bewegungsdrang der Kinder Rechnung trägt.

Welche besonderen Organisations- und Gestaltungsmerkmale werden an der Grundschule Wolfartsweier umgesetzt?

Die Grundschule ist Medienreferenzschule und bietet den Schülern die Möglichkeit im Ganztag die Recherchen und Arbeiten auch mit dem Computer durchzuführen. Die medienpädagogische Arbeit ist während des ganzen Tages möglich und im Unterricht integriert.

Die Grundschule Wolfartsweier ist Hospitationsschule für Jahrgangsmischung und arbeitet kontinuierlich an der Qualitätsentwicklung der Jahrgangsmischung weiter.

Seit dem Schuljahr 2015/2016 werden Themen des sozialen Lernens bei Schulversammlungen besprochen und Regeln des Miteinanders abgestimmt. Ab dem Schuljahr 2016/2017 wird das Instrument der Schulversammlung dann weiterentwickelt zu einem Element der demokratischen Erziehung. Es wird dort dann Möglichkeiten der Mitgestaltung und Mitbestimmung der Schüler geben.